Leserbrief an die NZZ am Sonntag zum Artikel « Die Schweizer Waffenlobby radikalisiert sich »

Leserbrief an die NZZ am Sonntag zum Artikel « Die Schweizer Waffenlobby radikalisiert sich » von Herrn Lukas Häuptli  vom 7.4.2018

von Bruno Buchs, 8.4.2018

« Die Schweizer Waffenlobby radikalisiert sich »: Nein, aber es wird Klartext gesprochen und Position bezogen.

Ein Bekannter meinte, die NZZ am Sonntag habe mit dem Artikel von Herrn Lukas Häuptli vom 7.4.2018 ja Publizität für PROTELL geschaffen und es sei eigentlich egal was geschrieben wird, Hauptsache PROTELL stehe im Fokus.

Ich musste ihm als Einzelmitglied von PROTELL widersprechen.

Diesen polemischen und politisch motivierten Schrieb unbeantwortet stehen zu lassen hiesse, die Werte von PROTELL und deren 12500 Mitgliedern zu verunglimpfen.  Artikel 2 der Statuten von PROTELL sagt nämlich:

PROTELL setzt sich überparteilich für die Erhaltung und den Ausbau einer freiheitlichen schweizerischen Waffengesetzgebung und Waffenrechtspraxis ein, die auf der Eigen Verantwortung des Bürgers basiert und ihm das traditionelle, für die Wahrung seiner persön­lichen Freiheit und für die Wehrfähigkeit unseres Landes unabdingbare Recht auf Waffen­besitz, Waffenerwerb und Waffentragen gewährleistet.

Dies ist es, was die 12500 Mitglieder von PROTELL kurz- und langfristig mobilisiert und was hunderttausende  Waffenbesitzer, Schützen, Sammler  und wohl eine Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger im Land, mittragen. Man hätte im Artikel gerne Substantielles zur Waffendebatte gelesen, leider ist aber nur eine billige, polemisch-politische Frontalattacke gegen PROTELL, deren Protagonisten und in der Debatte engagierte Meinungsmacher, herausgekommen.

PROTELL hat eine bewegte Zeit hinter sich und es ist tatsächlich so, dass die PROTELL Mitliederversammlung im Jahre 2017, im Hinblick auf den aufkommenden Kampf gegen die Umsetzung der EU Richtlinie 2017/753 in Schweizer Recht, einen neuen, kampfbereiten Vorstand eingesetzt hat um die Interessen der Mitglieder, und ganz allgemein der im Waffenwesen freiheitlich denkenden Schweizer Bürgerinnen und Bürger, zu verteidigen. Aktuell muss das Präsidium neu besetzt werden und Herr  Häuptli, wie auch die PROTELL Mitglieder, werden wohl einfach noch etwas warten müssen bis dieser Auswahlprozess beendet und die PROTELL Spitze dauerhaft  und adäquat  durch eine  Deutschschweizer Führungspersönlichkeit besetzt sein wird.

Im Artikel führt der Autor den Lesern den Vizepräsidenten von PROTELL, derzeit Präsident ad interim, NR Jean-Luc Addor, vor und beschwört dessen scheinbar wachsenden Einfluss auf die PROTELL. Davon leitet Herr Häuptli eine „Radikalisierung“ von PROTELL ab.
Wenn Herr Häuptli  klare Stellungnahmen von PROTELL in der Öffentlichkeit und den dezidierten demokratischen Kampf auf politischer Ebene eine „Radikalisierung“ nennt so verwechselt er wohl die aktuellen Problemstellungen. Klartext sprechen und Positionen demokratisch zu verteidigen ist nicht Radikalisierung, dieser Begriff gehört wohl zu einem ganz anderen Thema.

Addor setzt sich in Bern als NR auf politischer Ebene für seine Werte in verschiedenen Bereichen ein und findet im Waffenrecht die Unterstützung einer zahlreichen interparlamentarischen NR und SR Gruppe.

Robin Udry, den Generalsekretär von PROTELL, drängt der Autor in die Ecke der Debatte um das Waffentragen durch ausgebildete und sicherheitsrelevant durchleuchtete Bürger. Dieses Thema wird wohl da und dort diskutiert, ist aber derzeit nicht  zentral. Vielmehr ist Udry in der Öffentlichkeit hauptsächlich in der Debatte um die (Nicht-)Umsetzung der Richtlinie 2017/853 engagiert und dies wird mit keinem Wort erwähnt.

PROTELL ist übrigens eine demokratisch organisierte Gesellschaft von Mitglieder, die einerseits nicht gleichgeschaltet sind, sondern laufend Ihre Stimme einbringen, und andererseits über die Generalversammlung  demokratisch den Kurs von PROTELL bestimmen. Gemeinsam ist den Mitgliedern und dem Vorstand, darüber ist man sich einig, dass  derzeit die unselige, die Terrorbekämpfung völlig verfehlende Umsetzung der Richtlinie EU 2017/853, bekämpft werden muss. Unser Sicherheitslage würde nicht verbessert und im Effekt würden nur gesetztestreue und rechtschaffende Waffenbesitzer und Schützen drangsaliert oder gar kriminalisiert werden. Terroristen und Kriminelle kümmern sich nämlich einen Deut um Gesetze und die EU und der Bundesrat liegen mit dieser Richtlinie völlig neben den vorgeschobenen Zielen.

PROTELL ist heute viel besser als in vergangenen Jahre aufgestellt und wird sich weiter verstärken um, zusammen mit anderen waffenaffinen und freiheitlichen  Interessenvertretern, die  demokratische Debatte um das Waffenrecht zu führen, ggfs. bis zum Referendum.

Wie oberflächlich der Autor im Übrigen mit den Positionen verschiedener Protagonisten umgeht sieht man auch gut vom aus dem Kontext herausgerissenen Zitat aus einem Artikel von Frank Leutenegger auf seinem Blog swissguns.ch, einer unabhängigen, bestens dokumentierten Stimme in der Waffendebatte. Und wie billig der Artikel geschrieben ist, erkennt man aus der polemischen und unqualifizierten Reduzierung von „Addor & Co“ auf einen Slogan on LEWAS „more guns, less crime“: Anstatt Phrasen gleich dem Mist übers Feld zu schleudern sei  Herr Häuptli nahegelegt, sich mit den differenzierten und fundierten Argumenten der verschiedenen Organisation und Meinungsmacher, darunter auch PROTELL, LEWAS und Leutenegger, auseinandersetzen, die in der Vernehmlassung zur bundesrätlichen Vorlage zur Umsetzung der Richtlinie Stellung genommen hatten.  Der Meinungsbildung würde es jedenfalls zuträglich sein.

Dass PROTELL sich an der NRA orientieren soll ist wohl die dickste Falschdarstellung im Artikel.
Aus Mitgliedersicht, aber auch laut den Verlautbarungen des Vorstands von PROTELL, ist die NRA und die Lage in den USA keine Stellgrösse für die Debatte um das Waffenrecht in der Schweiz. Unsere Sicherheitslage und der verantwortungsvolle, gesetzestreue Umgang der Bürgerinnen und Bürger mit Waffen und unsere kulturellen Gegebenheiten sind absolut nicht mit den USA vergleichbar.

Unser heutiges Sicherheitsdispositiv, basierend auf einer ausgewogenen Mischung von Eigenverantwortlichkeit und schon heute restriktiven Regeln im Waffengesetz, hat sich bewährt und nicht umsonst sind wir eines der sichersten Länder weltweit. Die das Ziel der Terrorismusbekämpfung  völlig verfehlende EU Richtlinie ist somit zurückzuweisen.

Dass in der Debatte um das freiheitliche Waffenrecht hart argumentiert wird, ist gut, unsere  Bürgerinnen und Bürger müssen bis zum bestimmt kommenden Referendum klar wissen, was auf dem Spiel steht.

Aber die Debatte soll auf der Ebene der Fakten stattfinden.

Bruno Buchs
PROTELL Einzelmitglied
Betreiber des Blogs www.liberalarms.ch

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